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Schwimmen mit Delfinen – Wissen Sie, was Sie tun?

Das Schwimmen mit und Anfassen von Delfinen (in der Regel Große Tümmler, Tursiops truncatus) erfreut sich immer größerer Beliebtheit, sei es mit frei lebenden Tieren, mit gefangenen im Delfinarium, bei der Delfin-Therapie oder in einem der besonders in den USA beliebten Streichel-Pools (Petting-Pools).

Viele der gut meinenden, oft sehr naiv an die Begegnung mit diesen Tieren herangehenden "Delfin-Schwimmer" vergessen, dass der Große Tümmler, wie alle anderen dieser Kleinwale, ein Raubtier ist. Ein Raubtier, das die wahrscheinlich höchst entwickelte Form der Jagd im gesamten Tierreich beherrscht, die Jagd im sozialen Verband mit genauer Aufgabenteilung und Absprache.

Niemand würde auf die Idee kommen, ausgewachsene Löwen, deren Jagdtechnik der der Delfine sehr ähnlich ist, in freier Wildbahn oder im Zoo anzufassen, sie zu streicheln oder sich von ihnen tragen zu lassen, es wäre tödlich.

Aus bislang unbekannten Gründen zeigen wild lebende Delfine jedoch Menschen gegenüber in der Regel kaum aggressives Verhalten, obwohl sie untereinander und gegen andere Tierarten, wie z.B. Große Tümmler bei Schweinswalen, ein beträchtliches, bisweilen mit tödlichen Folgen verbundenes Aggressionspotenzial an den Tag legen können. Auch Kindstötungen sind bei Großen Tümmlern bereits beobachtet worden.

Dem Menschen gegenüber verhalten sich Große Tümmler, aber auch andere Delfinarten, jedoch oft neugierig und verspielt, es kommt sogar immer wieder vor, dass sie Menschen vor dem Ertrinken oder vor Haiangriffen retten.

Auch deshalb vielleicht scheint die Berührung eines Delfins, das Schwimmen mit ihm, auf den ersten Blick völlig gefahrlos und für beide Seiten mit einer angenehmen Erfahrung verbunden zu sein. Doch bergen das Anfassen eines Delfins und das Schwimmen in einer Delfingruppe Risiken für alle Beteiligten, die den wenigsten bewusst sind.

Für die Tiere kann die Begegnung mit Menschen, ganz besonders unter den beengten, künstlichen und artwidrigen Bedingungen der Gefangenschaft mit zusätzlichem, Krankheit verursachendem, gar tödlichem Stress und der Gefahr einer Ansteckung durch den Menschen verbunden sein.

Auch für Menschen kann das Schwimmen mit Delfinen, besonders in der Gefangenschaftssituation, abgesehen von direkten Schäden durch stressbedingte Beiß- oder Rammattacken – ein erwachsener Großer Tümmler kann seine bis zu 600 kg Körpergewicht mit unglaublicher Schnelligkeit durchs Wasser katapultieren -, mit ungeahnten und gefährlichen Folgen verbunden sein.

Jeder, der die Nähe zu Delfinen sucht, ob in freier Wildbahn oder in Gefangenschaft, sollte sich bewusst machen, dass es eine Begegnung mit einem hochintelligenten Raubtier, einem Wildtier ist und diese Begegnung sollte mit dem gleichen Respekt, der gleichen Achtung und Vorsicht stattfinden, mit der man anderen Wildtieren wie z.B. Löwen gegenüber treten würde.

Nachfolgend geben wir eine Zusammenfassung von Infektionsrisiken für den Menschen wieder, die von direkten Kontakten mit Meeressäugern ausgehen können. Es soll dadurch weder ein Angstszenario aufgebaut noch die großartige Faszination dieser wunderbaren Tiere geschmälert werden.

Betont werden muss, dass die dargestellten Infektionsrisiken besonders in Delfinarien wesentlich höher sind als in freier Wildbahn (ungenügend gefiltertes Wasser; hoher Anteil an Fäkal- sowie Fäulnisbakterien durch Nahrungsreste; höheres Erkrankungsrisiko für die Tiere durch nicht natürliche Lebensbedingungen und damit erhöhtes Risiko, auf bereits erkrankte Tiere zu treffen; höheres Aggressionspotenzial durch künstliche Gefangenschaftssituation erhöht das Risiko von Bissen und Verletzungen; an Beckenrändern aus Beton besteht das Risiko von Hautabschürfungen und offenen Wunden, in die im Wasser befindliche Krankheitserreger eindringen können; u.a.m.).

Gesundheitsaspekte im Zusammenhang mit Krankheiten bei Meeressäugetieren
von C.D. Buck & J.P. Schroder aus dem "CRC Handbook of Marine Mammal Medicine; Health, Disease and Rehabilitation"; ISBN 0849308399; 2te Ausgabe; 2001
Auszüge zusammengestellt vom Lolita Rescue Project

...um das Risiko schwerer Infektionen zu minimieren und um eingetretene Infektionen zielgerichtet einzudämmen, ist es wichtig, dass Personen, die mit Meeressäugetieren umgehen sowie die betreffenden Humanmediziner sich über die mikrobiellen Risiken beim Umgang mit Meeressäugetieren bewusst sind.

Für Personen, die mit Meeressäugetieren direkten Kontakt haben, besteht die Gefahr einer mikrobiellen Infektion sowohl durch eine Vielzahl von Mikroorganismen, die üblicherweise in einem Aquarium oder in Meerwasserumgebung auftreten, als auch durch Mikroorganismen, die zur normalen Flora der Meeressäuger gehören, sowie zusätzlich durch pathogene Mikroorganismen, an denen Meeressäuger erkranken können.

Infektionen können beim Menschen zusätzlich durch indirekte Übertragungen wie vom Blas der Tiere transportierten Aerosolen, mit Urin und Fäkalien kontaminiertem Wasser oder durch das Anfassen von Futterbehältern ausgelöst werden.

Bakterielle Infektionen:
In Hautwunden von Meeressäugern wurden u.a. folgende pathogene Erreger gefunden:
1. Streptokokken -> u.a. Halsentzündung, Scharlach, Lungenentzündung
2. Staphylokokken -> u.a. Meningitis, Lungenentzündung, Nieren- und Wundinfektionen)
3. Pseudomonas -> Auslöser von Atemwegserkrankungen wie der Legionärskrankheit oder chronische Lungeninfektionen
4. Aeromonas -> Durchfall, Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen
5. Erysipelothrix -> Hautreizungen
6. Vibrio -> u.a. Cholera, Wundinfektionen, schwere Sepsis (bei in Gefangenschaft lebenden Delfinen in Hawaii wurden 15 Vibrio spp. Arten isoliert, Anmerkung von Lolita Rescue Project)
7. Clostridien -> u.a. Tetanus
8. Mykobakterien -> Hautinfektionen, Tuberkulose

Virale Infektionen:
Meeressäugetiere erkranken auch an Virusinfektionen und Infektionen, von denen man annimmt, dass sie von Viren ausgelöst werden...
viele dieser Erreger sind potenziell auch für den Menschen gefährlich...
Auch wenn viele dieser Erreger erst vor kurzem identifiziert wurden, so sind die Krankheiten, die sie auslösen, nicht neu...
Ein Pocken ähnliches Virus wurde in einer aus einer Delfinniere gewonnen Zelllinie gefunden...
Verschiedene zur Gruppe der Herpesviren gehörende Viren wurden isoliert...

Bei einigen Krankheiten wie Tollwut sollte man meinen, dass das Risiko einer Übertragung durch ein Meeressäugetier praktisch nicht existiert. Jedoch gibt es einen bei einer wild lebenden Robbe dokumentierten Tollwutfall. Sämtliche Meeressäuger können Tollwut übertragen und Personen, die mit wild lebenden Meeressäugern umgehen und in Kontakt kommen, müssen sich dieses Risikos bei der Planung ihrer Vorbeugeimpfungen bewusst sein oder Bisswunden entsprechend behandeln lassen.

...ein Rotavirus ähnliches Agens wurde von einem Seelöwen isoliert. Beim Menschen können Rotaviren Magendarminfektionen auslösen, die zu schweren Durchfallerkrankungen bei Kleinkindern führen.

Pilzerkrankungen:
Bei Delfinen wurden zahlreiche Mikroorganismen, die man eigentlich in einer Salzwasserumgebung nicht erwarten würde, isoliert.
Blastomycose (Pilzerkrankung, die Haut, Schleimhaut, Lymphknoten und innere Organe befällt) und andere Pilzerkrankungen von Meeressäugetieren stellen ein potenzielles Gesundheitsrisiko für Trainer und Pfleger dar. Es ist bekannt, dass verschiedene Meeressäugerarten an verbreiteten Hefepilzerkrankungen starben und es ist ein Fall dokumentiert, bei dem ein Trainer sich von einem Delfin mit Blastomycose ansteckte...
Im Wasser von Aquarien (Delfinarien) finden sich üblicherweise verschiedene Candida-Arten (Hefepilze, die u.a. Infektionen der Schleimhäute und Haut hervorrufen können).


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